7. Patristische Zeugnisse für das frühe Datum der Offenbarung

Übersetzt von Alexandre Hirsch

für Dr. Dean Furlong

Zusammengefasst aus Kapitel 7 von ‘The Identity of John the Evangelist: Revision and Reinterpretation in Early Christian Sources’ (Lanham: Lexington/Fortress Academic, 2020) von Dean Furlong, PhD.

Wann wurde die Offenbarung, den frühchristlichen Quellen zufolge, geschrieben?

Dieses Kapitel stellt die vorherrschende Ansicht in Frage, dass die frühen Christen das Exil des Johannes in die späte Regierungszeit des Domitian datierten, und argumentiert stattdessen, dass die frühesten Quellen (Irenäus, Johannesakten, Tertullian, Clemens von Alexandria) an der Tradition der neronischen Verbannung des Johannes festhielten.

Nicht erörtert werden Quellen, die das Exil des Johannes in die Regierungszeit des Claudius legten (z. B. Epiphanius, Kanon Muratori, Dionysius von Alexandria, Origenes (?) Apringius), die in Kapitel 4 gesondert behandelt werden.

Eusebius Fabrikation des domitianischen Datums wurde in Kapitel 6 besprochen.

Irenäeus (um 185)

Irenäus behauptet, dass zur Zeit der Abfassung des Johannesevangeliums Kerinth aktiv seine Lehren verbreitete, die auch die Nikolaiten “eine lange Zeit vorher” verbreitet hatten (Haer. 3.11.1). An anderer Stelle gibt Irenäus an, dass die Nikolaiten zur Zeit der Abfassung der Offenbarung aktiv waren (Haer. 1.26.3), was darauf hindeutet, dass auch er die Abfassung der Offenbarung “eine lange Zeit vor” die Zeit der Abfassung des Evangeliums legte.

Irenäus verortete Kerinth (der ihm zufolge zur Zeit der Veröffentlichung des Johannesevangeliums lebte) wahrscheinlich am Ende des ersten Jahrhunderts, da er berichtet, dass Polykarp ihn kannte (Haer. 3.3.4), der in der Mitte des zweiten Jahrhunderts den Märtyrertod erlitt. Somit gilt:

  • Zeit des Kerinths = Ende des ersten Jahrhunderts = Zeit des Johannesevangeliums
  • Zeit der Nikolaiten = “eine lange Zeit vor” Kerinth = Zeit der Offenbarung

Mehr zu den Nikolaiten

Laut Eusebius bestanden die Nikolaiten “nur für eine sehr kurze Zeit” (Hist. eccl. 3.29.1). Das Kapitel stellt auch fest, dass laut Hippolytus, Hymenäus und Philetus (2. Tim 2,17-18) der Lehre von Nikolas, dem Gründer der Sekte, folgten (Hippolytus in ‘de resurrectione ad Mammaeam imperatricem’, Syrisches Fragment [1]); diese beiden waren am Ende des Lebens von Paulus (d.h. während der Herrschaft Neros) in Asien aktiv.

Wenn dies eine gemeinsame Tradition darstellte, dann hätte Irenäus die Nikolaiten – und die Offenbarung – in die 60er Jahre und Kerinth – und das Johannesevangelium – in die 90er Jahre der gemeinsamen Zeitrechnung gestellt.

Er wurde gesehen

Irenäus wird oft die Behauptung zugeschrieben, dass die apokalyptische Vision von Johannes am Ende der Herrschaft des Domitian gesehen (ἑωράθη) wurde (προς τῷ τέλει τῆς Δομετιανοῦ ἀρχῆς). Diese Passage wurde in Kapitel 6 besprochen.

Der Anti-Markionitische Prolog zu Lukas (um 190)

Dieses Werk aus dem zweiten Jahrhundert ist zwar kein direkter Beleg für das frühe Datum, behauptet aber, dass Johannes die Offenbarung schrieb, bevor er sein Evangelium verfasste, was mit dem Zeugnis des Irenäus übereinstimmt (später argumentiert das Buch, dass beide Quellen von Papias abhängig waren).

Tertullian (um 205)

Tertullian spricht von Rom als dem Ort,

    wo Petrus das Leiden des Herrn erlangt, wo Paulus mit dem Abgang des Johannes gekrönt wird [d.h. enthauptet wurde], wo der Apostel Johannes, nachdem er in siedendes Öl getaucht wurde, nachdem er nichts erlitten hat, auf eine Insel verbannt wird.

(De praescriptione haereticorum 36)

Tertullian sagt nicht ausdrücklich, dass Johannes zur gleichen Zeit verbannt wurde, als Petrus und Paulus ihr Martyrium erlitten, obwohl einige Gelehrte glauben, dass dies angedeutet wird.

Aber Hieronymus zeichnet eine ansonsten verlorene Aussage Tertullians auf, die behauptet, dass Johannes von Nero in das kochende Öl getaucht wurde:

    Außerdem berichtet Tertullian, dass er, nachdem er von Nero in einen Terrakottakrug mit brennendem Öl geworfen worden war (a Nerone missus in ferventis olei dolium), sauberer und kräftiger herauskam als beim Eintritt.

(Adversus Jovinianum 1,26)

Die Lesart “von Nero“, die in allen Manuskripten zu finden ist, wurde von einem Redakteur abgeändert, um Romae (“in Rom”) zu lesen, weil dies für das neronische Exil spricht (der Redakteur rechtfertigte dies mit der Begründung, dass wir wissen, dass das Exil in der Regierungszeit Domitians stattfand).

Hieronymus’ Quelle kann nicht Tertullians erhaltenes Werk ‘De praescriptione haereticorum‘ gewesen sein, da er Details über den Ölvorfall zitiert (z. B., dass Johannes jugendlicher herauskam), die in diesem Werk nicht zu finden sind. Stattdessen zitierte er wahrscheinlich aus einem von Tertullians verlorenen Werken.

Demnach,

  • Tertullian sagt, dass “der Apostel Johannes, nachdem er in kochendes Öl getaucht wurde und nichts erlitten hat, auf eine Insel verbannt wird”, was den engen Zusammenhang der Ereignisse zeigt.
  • Tertullian (wie von Hieronymus zitiert) gibt an, dass Johannes während der Herrschaft von Nero in das siedende Öl geworfen wurde.
  • Wenn Tertullian also beide Aussagen gemacht hat, muss er sowohl den Vorfall mit dem Öl als auch das darauf folgende Exil in die Regierungszeit von Nero gelegt haben.

Hieronymus zitiert auch ungenannte ‘Kirchengeschichten’, die berichten, dass Johannes “sofort” (statim) ins Exil geschickt wurde, nachdem er das Eintauchen in das kochende Öl überlebt hatte.

Die Quelle kann nicht Tertullian gewesen sein, da er keine Kirchengeschichte geschrieben hat. Dies scheint also auf eine weitere unabhängige Quelle einer Tradition hinzuweisen, die das Eintauchen in Öl mit dem Exil in Verbindung brachte. Das Kapitel schlägt Hegesippus ‘Erinnerungen‘ (Hypomnema) als die erwähnten ‘Geschichten’ und als Tertullians Quelle für die Tradition vor.

Clemens von Alexandrien (um 200)

Das Kapitel bespricht Clemens’ Geschichte vom Räuberhauptmann, der vom Glauben abfiel und später von Johannes wieder zum Glauben zurückgeführt wurde, die Clemens irgendwann nach der Rückkehr des Johannes aus dem Exil ansiedelt. Hinweise im Text zeigen, dass die Geschichte über mehrere Jahre hinweg stattfindend sich vorgestellt wurde. Zusätzliche Unterstützung dafür liefert Chrysostomos.

Außerdem lässt sich diese Erzählung nicht in der kurzen Zeit zwischen dem Tod des Domitian im Jahr 96 und dem Tod des Johannes am Ende des ersten Jahrhunderts unterbringen. Und nach Hieronymus konnte Johannes in seinem hohen Alter nicht einmal mehr laufen, während er in dieser Geschichte zu Pferd unterwegs gewesen sein soll und den Räuber energisch verfolgt haben soll. Stattdessen wurde diese Erzählung irgendwann zwischen Johannes Rückkehr aus dem Exil nach Neros Tod und dem Beginn von Johannes extremem Alter angesiedelt, während eines jahrzehntelangen Dienstes in Asien.

Johannesakten (um 200)

Der erhaltene Text dieses gnostischen Werkes aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert beginnt damit, dass Johannes von Milet nach Ephesus segelt, und erzählt dann eine lange Geschichte von Johannes Dienst in Asien, die in der Geschichte von Johannes Tod gipfelt.

Das Exil wird im erhaltenen Text nicht erwähnt, aber einige Gelehrte denken, dass es wahrscheinlich im verlorenen Anfang des Werkes erzählt wurde (besonders da Milet ein natürlicher Haltepunkt von Patmos nach Ephesus ist). Diese Erzählung stimmt mit der für Clement vorgeschlagenen überein, die von einem langen Wirken des Johannes in Kleinasien nach seiner Rückkehr aus dem Exil berichtet.

Das Kapitel liefert auch Hinweise darauf, dass die Johannesakte diesen Dienst über Jahrzehnte hinweg vorsieht, und es argumentiert, dass Johannes während dieser Zeit wahrscheinlich alle sieben Gemeinden der Offenbarung der Reihe nach besucht hat, wobei es Tertullian, die Passio Iohannis apostoli des Pseudo-Melitus und andere Werke zur Unterstützung zitiert.

Syrische Werke

Das neronische Exil ist in syrischen Versionen der Offenbarung bezeugt, die möglicherweise schon aus dem vierten Jahrhundert stammen. Es ist auch in dem syrischen Werk mit dem Titel ‘Geschichte des Johannes‘ bezeugt, das ebenfalls schon im vierten Jahrhundert geschrieben worden sein könnte.

Tyconius von Karthago (aktiv um 380)

Tyconius identifizierte den sechsten König aus der Vision des Johannes (von dem es heißt “einer ist”) als Nero, was darauf hindeutet, dass er oder seine Quelle die Vision in die Regierungszeit Neros gelegt hat.

Andere Schriften

Das Kapitel bespricht auch die Datierung von Johannes Exil in der Johannesakten des Pseudo-Prochorus, Akten des Johannes in Rom (ein spätes Werk, das gelegentlich mit der viel früheren Johannesakten verwechselt wird), Andreas von Caesarea und Arethas von Caesarea.

Weitere Lektüre

Die ursprüngliche Dissertation finden Sie hier (gehen Sie allerdings bis Kapitel 6, nicht 7 – das Buch hat die Dissertation erweitert und einige Kapitel hinzugefügt): John the Evangelist: Revision and Reinterpretation in Early Christian Sources (Johannes der Evangelist: Revision und Neuinterpretation in frühchristlichen Quellen)

Die neueste Version der Forschungsarbeit finden Sie hier:

[1] Hippolytus in ‘de resurrectione ad Mammaeam imperatricem’, Syrisches Fragment bei archive.org:

https://archive.org/details/hippolytuswerk01hipp/page/250/mode/2up

Quelle: “Ueber die Auferstehung an die Kaiserin Mammaea (Syrische Fragmente), S. 251.
In: Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte, Hippolytus Werke, 1. Band, 2. Teil: Kleinere exegetische und homiletische Schriften. Hrsg. von G. NATH. BONWETSCH und HANS ACHELIS (1897).”

Weiteres

The Early Christians and the Dating of Revelation: Are We Too Late?

Polycarp and the Date of Revelation

The Martyrdom of Antipas and the Dating of Revelation

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